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Jede zweite Schwalbe in Österreich ist verschwunden

Sag mir, wo die Schwalben sind. Vor knapp 20 Jahren brüteten noch doppelt so viele Mehlschwalben (Delichon urbicum, Syn.: Delichon urbica) in Österreich wie heute. Fast jede zweite ist in den vergangenen Jahren einfach verschwunden. 25.000 Mehlschwalben-Paare werden 2018 aus ihren Überwinterungsgebieten in Afrika zum Brüten in Österreich erwartet. Das sind nur noch halb so viele wie vor 20 Jahren, so die Vogelschutzorganisation BirdLife. Der dramatische Rückgang stehe im direkten Zusammenhang mit strukturellen Änderungen in der heimischen Landwirtschaft, so BirdLife.

Dramatischer Schwalbenschwund in Ungarn

Auf dem Land ist ihr Anblick vertraut - Schwalben, die in Scheunen oder unter Dächern nisten. Doch die Vogelart ist bedroht. In Ungarn ist ihr Bestand zwischen 2000 und 2010 um die Hälfte geschrumpft. Zwei Millionen Schwalben fehlen laut einer jüngsten Studie der Ungarischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Ein Rückgang mit dramatischen Folgen: Schwalben sind eifrige Insektenfresser, jedes Tier verspeist ein Kilo Insekten pro Jahr.

Schweizer Bäche sind hoch belastet

Beprobte Oberflächengewässer in der Schweiz enthalten über 70 pestizide Wirkstoffe. Wasserversorger fordern den Aktionsplan zur Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln rasch umzusetzen. Insgesamt 145 verschiedene Pflanzenschutzmittelwirkstoffe fanden die Mitarbeiter der Studie „Nationale Beobachtung Oberflächengewässerqualität Spezialuntersuchungen“ (NAWA SPEZ). Dazu beprobten sie von März bis November 2017 fünf kleiner Bäche mit landwirtschaftlich genutzten Einzugsgebieten auf Belastung durch Pflanzenschutzmittel. Die Anzahl nachgewiesener Stoffe pro Standort reichte von 71 bis 89.

Wiesenvögel können kaum geschützt werden in pestizidbelasteten Felder

In dieser Untersuchung wurde bei 24 Viehwirtschaften in der niederländischen Provinz Gelderland (15 konventionelle und 9 ökologischen Betriebe) die Belastung von Kraftfutter, Dünger und Boden mit 685 Pestiziden und antiparasitären Medikamenten untersucht. Insgesamt 116 Pestiziden wurden auf 16 konventionellen Betrieben gefunden und 71 auf 9 ökologischen Betrieben. Keine einzige Probe war frei von Pestiziden.

Pestizide und Tier-Antibiotika in allen Fließgewässern Europas

Untersuchungen von Wasserproben aus 29 kleinen Wasserstraßen in zehn verschiedenen Ländern der Europäischen Union (Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Spanien) zeigten erschreckend hohe Rückstände an Pestiziden und Tierarzneimitteln. Gefunden wurde die sagenhafte Menge von 103 Pestiziden und 21 Tierarzneimitteln. Stoffe, denen Tiere in der Umwelt ausgesetzt sind, die gar nicht Ziel der Präparate sind.

Pflanzenschutzmittel vergiften kleine Bäche

Zwei Studien zeigen erneut, dass Gewässer in landwirtschaftlich genutzten Einzugsgebieten stark mit Pflanzenschutzmitteln belastet sind. Die Konzentrationen einzelner Stoffe stellen über Monate hinweg ein Risiko für chronische Schäden der Pflanzen und Tiere im Wasser dar. Vom März bis im Oktober 2017 haben die Eawag und das Oekotoxzentrum Proben aus fünf kleineren Bächen genommen. Wie die Eawag berichtet, wurden die Einzugsgebiete der Bäche dabei jeweils unterschiedlich landwirtschaftlich genutzt. Untersucht wurden die Proben auf Pflanzenschutzmittel. Die Resultate sind besorgniserregend.

Viele insektenfressende Vögel sterben

Ob Bachstelze (Motacilla alba), Kiebitz (Vanellus vanellus) oder Rauchschwalbe (Hirundo rustica): Die Zahl der insektenfressenden Vögel ist in den vergangenen 25 Jahren europaweit deutlich zurückgegangen. Durchschnittlich um 13 Prozent sank die Zahl dieser Vögel einer im Fachjournal Conservation Biology veröffentlichten Studie zufolge. Bei den insektenfressenden Ackerland-Vögeln sei der Rückgang sehr viel stärker als bei den insektenfressenden Waldvögeln.

Landwirtschaftliche Nutzung verringert Schmetterlingsvielfalt in der Umgebung

Auf Wiesen mit angrenzender Intensivlandwirtschaft gibt es nicht halb so viele Tagfalterarten wie auf Flächen in Naturschutzgebieten. Das zeigen Untersuchungen der Technischen Universität München (TUM) und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN). Wie die TUM berichtete, konnten die Forscher auf Wiesen, die von landwirtschaftlich genutzten Feldern umgeben waren, im Schnitt 2,7 tagaktive Schmetterlingsarten pro Besuch nachweisen; bei den Stichproben innerhalb der Naturschutzgebiete waren es der Hochschule zufolge durchschnittlich 6,6 Arten.

Ausgeflattert: Zwei Drittel weniger Tagfalter

Senckenberg-Wissenschaftler Thomas Schmitt hat in einem deutsch-polnischen Team die Auswirkungen verschiedener Landnutzungsmodelle auf die Schmetterlingsfauna untersucht. Die Forschenden zeigen, dass es auf Wiesen mit angrenzender intensiver Landwirtschaft nicht einmal die Hälfte der Tagfalterarten gibt, wie auf Flächen in Naturschutzgebieten. Die Zahl der Individuen sinkt sogar auf ein Drittel ab. In ihrer kürzlich im Fachjournal „Insect Conservation and Diversity“ erschienenen Studie unterstreichen die Wissenschaftler*innen die Notwendigkeit einer umweltverträglicheren Landwirtschaft.