Im Vergleich zur Situation in der Mitte des vorigen Jahrhunderts sind manche Gebiete heute nahezu spatzenfrei

Dass gerade der Haussperling – ein gewöhnlicher Spatz – zum Vogel des Jahres 2002 gekürt wurde, erscheint auf den ersten Blick grotesk. Vieles jedoch spricht dafür, auf diese interessante Vogelart aufmerksam zu machen. Haussperlinge (Passer domesticus) gehören zur Familie der Webervögel (Ploceidae). Die Gattung der Sperlinge (Passeridae) umfasst davon weltweit 36 Arten. In Brandenburg kommt neben dem Haussperling nur noch der etwas weniger bekannte Feldsperling (Passer montanus) vor. Zweimal konnten sogar Mischlinge beider Arten nachgewiesen werden. Der Spatz ist hierzulande vielleicht die bekannteste Vogelart. Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurden Haussperlinge als Schädlinge stark verfolgt. Ihre Vorliebe für Getreidekörner wurde den Vögeln zum Verhängnis. Heute spielen die Verluste durch Vogelfraß kaum noch eine Rolle, denn die Sperlingsbestände sind in ganz Mitteleuropa deutlich rückläufig. Dafür gibt es mehrere Ursachen. In den Großstädten gibt es immer weniger unbebaute Grünflächen. Mit zunehmender Versiegelung der Flächen sank die Verfügbarkeit der Nestlingsnahrung, so dass immer weniger Sperlinge flügge wurden. Im Osten Deutschlands wirkte sich sogar die politische Wende seit Anfang der 90er Jahre auf die Entwicklung des Haussperlingsbestandes aus. Bereits 1991 begannen die Bestände lokal zu sinken. Auslöser war der Wegfall des Futterdeputats in der dörflichen Kleintierhaltung. So wurde vielerorts die individuelle Kleintierhaltung aufgegeben und somit war die ganzjährige Verfügbarkeit von Körnernahrung nicht mehr gegeben. Insgesamt sank der Sperlingsbestand in Brandenburg bis Ende der 90er Jahre auf etwa 50, teilweise sogar auf 30 Prozent und scheint nun auf diesem Niveau zu stagnieren.

Bei der Erstellung der Roten Liste der Brutvögel Brandenburgs wurde der Haussperling 1997 als im Bestand rückläufig, jedoch nicht als gefährdet eingestuft. Immerhin brüten in Brandenburg noch etwa 500.000 bis 800.000 Paare, bundesweit sind es 5 bis 11 Millionen Brutpaare. Nach dem Buchfink ist der Haussperling die zweithäufigste Brutvogelart in Brandenburg. In vielen großen Städten Mitteleuropas ist aber ein starker Rückgang des Haussperlings belegt. Im Vergleich zur Situation in der Mitte des vorigen Jahrhunderts sind manche Gebiete heute nahezu spatzenfrei. Bestandslimitierend wirken offensichtlich weniger die natürlichen Feinde des Sperlings als die Veränderungen in seinem Lebensraum. Sperber, Hauskatze und Steinmarder, gelegentlich auch die Schleiereule und der Turmfalke stellen dem Spatzen zwar intensiv nach, aber die wesentlichen Gründe für den Rückgang des Haussperlings sind in der Verfügbarkeit seiner Nahrung zu sehen. Neben dem starken Rückgang der Kleintierhaltung trugen auch Erntetechnik und selektiv wirkende Pestizide dazu bei. Transportbedingte Verluste von Getreidekörnern werden immer geringer. Der gestiegene Fahrzeugverkehr kostet vielen Sperlingen das Leben, da sie versuchen, Nahrung von der Straße aufzupicken und dabei überrollt werden. Zudem bewirken umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an alter Gebäudesubstanz und eine nahezu nischenfreie Bauweise heutiger Haustypen, dass Haussperlinge unter Nistplatzmangel leiden. Darüber hinaus gibt es in unseren gepflegten Gärten immer weniger Insekten, die für die Aufzucht der Jungvögel unentbehrlich sind.

Quelle: Land Brandenburg
http://www.lugv.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.319055.de