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Bundesamt warnt: Agrarwende muss Vögel und Insekten retten

Die Lage für Vögel, Insekten, Pflanzen und ganze Lebensräume in Agrarlandschaften verschlechtert sich einem Bericht des Bundesamts für Naturschutz zufolge dramatisch. „Praktisch alle Tier- und Pflanzengruppen in der Agrarlandschaft sind von einem eklatanten Schwund betroffen”, teilte die Präsidentin des Bundesamts, Beate Jessel, in Berlin mit. Die Entwicklung sei „alarmierend”, es brauche dringend eine Kehrtwende in der Agrarpolitik.

Wo sind die Forellen geblieben?

Nur gerade 600 Kilogramm Fische haben die Patent-Angler im vergangenen Jahr aus dem Linthkanal zwischen Walensee und Oberem Zürichsee gezogen. Das ist der geringste Fangertrag seit der Einführung der entsprechenden Statistiken im Jahr 1940, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht der Fischereikommission für Zürichsee, Linthkanal und Walensee hervorgeht. Besonders stark betroffen von dem Rückgang im seit 2013 fertig renaturierten Kanal sind die Forellen (Oncorhynchus mykiss).

Immer weniger Fische in Neckar und Max-Eyth-See

Die Fischbestände im Neckar und am Max-Eyth-See sind nach wie vor rückläufig. Wissenschaftler, die im Auftrag der Landesregierung darüber geforscht haben, sehen als einen wichtigen Grund den fischfressenden Kormoran. Die Fischereiforschungsstelle in Langenargen hat vor einigen Jahren im Auftrag der Landesregierung die Untersuchungen zur Wasserrahmenrichtlinie des Fischbestandes erstellt. Diese Forschungsstelle ist dem entsprechenden Landesministerium unterstellt. Zudem wurden bundesweit Fließgewässer von Biologen auf den Fischbestand untersucht.

Bodenerosion wird zur globalen Gefahr

Fruchtbare Böden gehen verloren. Ein Viertel der weltweiten Landoberfläche ist degradiert, Steppen und Wüsten breiten sich aus. Rund 1,5 Milliarden Menschen sind in ihrer Existenz betroffen. "Unser Land. Unser Zuhause. Unsere Zukunft", lautet der Slogan zum Welttag für die Bekämpfung der Wüstenbildung Welttag am 17. Juni. Das UN-Sekretariat zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) betont die zentrale Rolle, die fruchtbares Ackerland für die weltweite Entwicklung spielt, und dass dies auch im Zusammenhang mit der globalen Flüchtlingsbewegung steht.

Schlechte Werte für Hälfte der Gewässer in Deutschland

Mehr als die Hälfte aller Gewässer in Deutschland sind in einem unbefriedigenden bis schlechten Zustand. Das ergibt sich aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen. Für die Küste sieht es nach der Antwort des Umweltministeriums noch schlimmer aus: Hier ist kein Küstengewässer in einem sehr guten oder guten Zustand. Kein einziges Küstengewässer kommt nach der Bewertung des Umweltministeriums die Note „Gut“ oder „Sehr gut“. Für Niedersachsen werden fünf Küstengewässer als mäßig beurteilt, acht als unbefriedigend.

Thüringens Artenvielfalt ist am Schwinden - Mehr als ein Drittel der Arten kämpft ums überleben

Die Gesamtgefährdung aller Arten im Freistaat liegt bei über 40 %. Zur Thüringenfauna zählen derzeit zum Beispiel 127 Arten von Tagfaltern. Davon gelten circa 50% als gefährdet. Die Hälfte aller wirbellosen Tiere weist einen ähnlich schlechten Zustand auf. Ungefähr 17.000 der Thüringer Arten sind so gut untersucht, dass ihr Gefährdungszustand in Thüringen bekannt ist. Dieser Zustand ist in den aktuellen Roten Listen für den Freistaat Thüringen veröffentlicht.

Fledermäuse sterben aus

Jede zweite Fledermausart ist gefährdet und auf der Roten Liste des Bundesamts für Umwelt zu finden. Eine neue Studie belegt, dass die Bestände in der ganzen Schweiz zurückgegangen sind. In der Schweiz gibt es etwa 30 Fledermausarten. Davon sind drei vom Aussterben bedroht und fünf stark gefährdet. Sieben sind als stark verletzlich eingestuft. Einheimische Fledermausarten sind von Gesetzes wegen geschützt.

Die schlechte Fangbilanz macht den Fischern auf dem Zürichsee schwer zu schaffen

Seit rund zwei Wochen fährt Adrian Gerny, Präsident der Zürcher Berufsfischer, nur noch zwei- bis dreimal auf den Zürichsee. «Wenn nur etwa zehn Fische im Netz hängen bleiben, lohnt es sich nicht, rauszufahren», sagt Gerny von der Fischerei A. Gerny in Wollishofen. Damit könne er keine Löhne zahlen. Auch die Auslage seines Fischladens kann er damit nicht füllen. «Berufskollegen von anderen Schweizer Seen helfen mir mit ihren Fischen aus», sagt Gerny. Sofortmassnahmen zur Verbesserung der Situation gebe es für die Fischer keine.

In Salzburg ist das Braunkehlchen akut bedroht

Das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) galt einst als Charaktervogel und häufiger Brutvogel in der artenreichen Kulturlandschaft der Niederungen und Hügelländer des Alpenvorlandes bis in die Bergmähwiesen der Alpen. Heute ist es ein selten gewordener Zaungast. Das Braunkehlchen hat die ehemalig gut besetzten Brutgebiete weitgehend geräumt und sich auf kleine Restvorkommen zurückgezogen. Schätzungen aus dem Jahr 2004 zeigen einen österreichweiten Bestand von etwa 5.500 Brutpaaren. Inzwischen sind es nur noch 950 bis 1.500 Brutpaare. Das entspricht einer Abnahme von 75 bis 80 Prozent.

Viele Arten kämpfen ums Überleben

Der 22. Mai war der Internationale Tag der biologischen Vielfalt – doch nach wie vor verschwinden viele Arten. Das von der Europäischen Union gesetzte Ziel, diese Entwicklung bis spätestens 2020 zu stoppen, wurde bislang nicht erreicht: „Es ist eher davon auszugehen, dass wir viele weitere Arten, Lebensräume und genetische Vielfalt bis zum Ende dieser Dekade verlieren werden“, sagt Gernot Segelbacher, Professor für Wildtierökologie und Wildtiermanagement der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.