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Vögel leiden unter Insektensterben

Viele Zugvögel kommen jetzt wieder in die oberschwäbischen Gärten zurück – oder sind bereits da. Doch jedes Jahr werden es weniger: Denn mit dem Insektensterben bricht für die meisten Zugvögel die Nahrungsgrundlage weg und auch den Obstbauern fehlen die Insekten. „80 Prozent der Biomasse der Insekten sind in den vergangenen zehn Jahren weggefallen“, sagt Georg Heine vom Naturschutzbund (Nabu) Wangen.

Im Schrebergarten ist der Gartenrotschwanz selten Zaungast

Der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) war noch vor hundert Jahren in der Schweiz weit verbreitet. Doch heute begegnet man dem Singvogel mit dem orangen Schwanz kaum mehr. Dass dieses Gezwitscher selten geworden ist, hat einen guten Grund: Gartenrotschwänze ernähren sich von allerlei Kleingetier, das auf dem Boden und auf Gräsern herumkrabbelt. Von einer Sitzwarte aus, einem Baumstrunk zum Beispiel, suchen die Vögel den Boden ab: nach Käfern, Ameisen, Raupen und Spinnen. Doch haben Düngemittel und Pestizide vielen dieser Bodenkrabbeltiere den Garaus gemacht.

Verschwinden von Kröte und Käfer im Landkreis Göttingen

Nach Angaben des Umweltamtes des Landkreises Göttingen sind in den vergangenen 30 Jahren folgende Arten ausgestorben: Steinkauz (Athene noctua), Grauammer (Emberiza calandra, Syn.: Miliaria calandra), Uferschwalbe (Riparia riparia), Kreuzotter (Vipera berus), Europäischer Flusskrebs (Astacus astacus), Goldener Scheckenfalter (Euphydryas aurinia, Syn.: Eurodryas aurinia), Schwarzfleckiger Ameisenbläuling (Phengaris arion).

Das Verschwinden der Schmetterlinge

Der Hang liegt am Keilstein bei Regensburg, mitten in einem Naturschutzgebiet. Jan Christian Habel besucht diesen Ort gern mit seinen Studenten. Habel ist Schmetterlingsexperte, er hat einen Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie an der Technischen Universität München. Mitte Juli war Habel wieder mit einer Gruppe am Hang. Es war eine traurige Expedition. „Seltene Falterarten waren nicht mehr vorhanden“, sagt er. „Wir haben nur Trivialarten gefunden.“ Aber auch von diesen eigentlichen häufig vorkommenden Schmetterlingen entdeckten Habel und die Studenten viel weniger Exemplare als sonst.

Pilzgefahr für Amphibien ist auf dem Vormarsch

Sie wandern wieder. Milde Temperaturen lassen bei den Familien Frosch, Kröte, Lurch, Molch und Co. den Wecker klingeln und die Winterruhe beenden. Die Tiere bewegen sich dann zu ihren Laichgründen, um dort ihre Eier abzulegen. Sie suchen sich die Gewässer aus, in denen sie selbst von der Kaulquappe zum Frosch oder zur Kröte mutiert sind. Dabei müssen sie häufig Straßen kreuzen, um an die Seen und Tümpel zu gelangen. Hunderttausende dieser ohnehin gefährdeten Tiere kommen dabei zu Tode. Seit einigen Jahren gibt es aber noch eine andere große Gefahr für Amphibien.

Die Zahl der Amphibien im Kreis Gütersloh ist stark zurückgegangen

"Ja, wo laufen sie denn?", hätte Loriot die Situation wohl humoristisch umschrieben. Doch zum Lachen ist die Suche nun wahrlich nicht. Denn obwohl der Frühling auch in Gütersloh Einzug gehalten hat, sind bisher weit weniger Kröten zu ihren Laichgewässern gewandert als noch vor wenigen Jahren. Regina Rottmann engagiert sich seit 2005 im Amphibienschutz und hilft den Lurchen am Postdamm in Isselhorst über die Straße, um sie so vor dem Tod durch Autoreifen zu bewahren. Doch in den Eimern, die sich hinter den eigenes aufgestellten Krötenzäunen im Boden befinden, landen immer weniger der Tiere.

Bei Wildbienen ist ein alarmierender Schwund in der Population festzustellen

Experten wie der Stuttgarter Biologe Hans-Richard Schwenninger und der Landshuter Wildbienenspezialist Erwin Scheuchl schlagen Alarm wegen des massiven Rückgangs wild lebender Bienenarten. 585 Arten sind deutschlandweit bekannt, 460 sind es in Baden-Württemberg. 52 Prozent der Wildbienenarten gelten jedoch als ausgestorben, bestandsgefährdet oder nur noch extrem selten vorkommend. Seit 2010 ist der Schwund rasant. Die Fachleute machen selbst in wildkräuterreichen Gegenden in Süddeutschland auch bei bislang häufigen Arten nur noch einzelne Tiere aus.

Naturschützer warnen, dass das Insektensterben auch die Feldermäuse ausrotten könnte

Die Fledermäuse erwachen momentan aus dem Winterschlaf. Nachts gehen sie auf die Jagd, um ihre leeren Reserven aufzutanken. Doch sie finden kaum noch Futter. „Seit einiger Zeit beobachten wir einen alarmierenden Rückgang von Insekten“, sagt Karl Kugelschafter, Fledermausexperte vom Naturschutzbund (Nabu). Für die Fledermäuse geht es ums Überleben, denn sie ernähren sich fast ausschließlich von Insekten und müssen pro Tag ungefähr ein Drittel ihres Körpergewichtes an Nahrung zu sich nehmen. Hochgerechnet braucht ein einzelnes Tier also ungefähr ein Kilogramm Insekten in einem Sommer.

120.000 Bienenvölker haben den Winter in Deutschland nicht überlebt

Die stille Harmonie der gelb-schwarzen Insekten gibt es nur noch in alten Kinderliedern. Tatsächlich kämpfen nicht nur die deutschen, sondern auch die europäischen Bienen ums Überleben. Als im Vormonat der Imkerverband zur Jahrestagung nach Berlin lud, machten erschreckende Zahlen die Runde: Von den etwa 700.000 Bienenvölkern, die der Verband hierzulande bisher zählte, haben rund 120.000 den Winter nicht überlebt. Auch wenn daran eingeschleppte Parasiten wie die Varroa-Milbe nicht ganz unbeteiligt ist, geben viele Fachleute Pestiziden eine erhebliche Mitschuld.

Naturschutz im Kanton Zürich: Die Artenvielfalt bleibt in Gefahr

Der Schutz der Tiere, Pflanzen und ihrer Lebensräume im Kanton Zürich reicht trotz einigen Erfolgen nicht aus. Die Fachstelle Naturschutz kann zwar laufende Massnahmen weiterführen. Für mehr fehlen ihr jedoch meist die Mittel. Der durchaus naturverbundene Baudirektor Markus Kägi hob an der Präsentation hervor, der Mensch sei nicht nur Geniesser und Nutzer, sondern habe eine Verpflichtung gegenüber der Natur.