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Tropenvirus rafft ein Drittel der Amseln in Deutschland dahin

Das tropische Usutu-Virus hat der Amsel-Population in Deutschland zugesetzt. Die ersten Ergebnisse der bundesweiten Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ zeigten, dass am vergangenen Wochenende etwa ein Drittel weniger Amseln gezählt wurden als noch bei der Zählung vor einem Jahr. Das berichtet der Naturschutzbund (Nabu). „Die stärksten Rückgänge gibt es im Dreiländereck zwischen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen und damit genau dort, wo im letzten Sommer eine Viruskrankheit zu einem Amselsterben geführt hatte“, sagte Nabu-Vogelexperte Markus Nipkow. Aber auch in NRW geht der Nabu nach der Wintervogel-Zählung davon aus, dass in den vergangenen Monaten rund 100 000 Amseln Turdus merula starben. Das entspricht gut zehn Prozent der Amselpopulation in NRW (eine Million Exemplare). Die Zählung habe ergeben, dass die Amsel sowohl in Relation zu anderen Vögeln, als auch bei der Anzahl der Tiere pro Garten in der Tabelle deutlich nach unten gerutscht sei. "In Nordrhein-Westfalen gibt es aktuell im Durchschnitt 3,34 Amseln pro Garten. Im vergangenen Jahr waren es 4,59 Amseln. Im Kreis Steinfurt sei der Rückgang pro Garten noch extremer: rechnerisch von 5,09 Vögeln im Jahr 2011 auf aktuell 3,20 Exemplare. Das sind im Schnitt zwei Amseln pro Garten weniger", erklärt Bernd Jellinghaus, Sprecher des Nabu-Landesfachausschusses Ornithologie und Vogelschutz.

Der Igel ist vom Aussterben bedroht

Der Igel steht in vielen europäischen Ländern unter strengem Naturschutz. Einst waren die stachligen Tiere in England weit verbreitet, heutzutage gibt es noch etwa eine Million Igel, was bereits 25 Prozent weniger sind als noch in der letzten Dekade. In 15 Jahren könnten laut einer neuen Studie alle Igel in England ausgestorben sein. Die in Deutschland vorkommenden Igel sind zwar nicht direkt vom Aussterben bedroht, ihre Bestandsdichte ist jedoch rückläufig. Die moderne Land- und Forstwirtschaft hat seinen natürlichen Lebensraum weitgehend zerstört. Auch der aufgeräumte Hausgarten erlaubt selten eine geeignete Nist oder Überwinterungsmöglichkeit. Menschen vernichten konsequent seine Nahrungsgrundlagen durch das Ausbringen von Giften und Pflanzenschutzmitteln. Die Nahrung der Igel besteht in erster Linie aus Wirbellosen (beispielsweise Insekten und deren Larven sowie Ringelwürmern). Igel, die zu Beginn der Frostperiode nicht mindestens 500 g wiegen, schaffen den Winterschlaf in freier Natur nicht und müssen verhungern. Jahr für Jahr trifft dieses Los unzählige Igel, die vom Muttertier im Herbst zu spät geboren werden und nun einfach keine Zeit mehr haben, sich dieses Gewicht bis zum Winter "anzufressen".

Imker-Versammlung in Schwechat fordert Massnahmen gegen Pestizid-Einsatz in Lebensmittelproduktion

„Bienensterben“, so lautete der Titel eines kurzfristig (am 11.01.2012) einberufenen Imkergipfels, der jüngst in der riesigen Produktionshalle von Stefan Mandl, mit ca. 3000 Völkern einer der wenigen Großimker in Wien/Niederösterreich, stattfand. Der Andrang ist enorm, Bienenhalter aus Niederösterreich, dem Burgenland, Wien und auch aus Oberösterreich und der Steiermark sind gekommen. Wobei nach den ersten Situationsberichten die Wurzel des Übels bald ausgemacht wird: Im Wald, in Schrebergärtengebieten und höheren Lagen hat es keine Verluste gegeben – gravierende Schäden wurden eindeutig in der Nachbarschaft bäuerlicher Agrarwirtschaft konstatiert. Das heißt: An der Varroamilbe, deren Bekämpfung zum Jahresablauf jedes Imkers gehört, kann es nicht liegen. Das Hauptthema war der intensive Pestizideinsatz und die Auswirkungen auf Mensch und Biene (siehe auch die Beilage). Nach vier Stunden fassen die Anwesenden des Bienengipfels die ersten Resolutionen: Das Recht auf pestizidfreie Lebensmittel scheint im Forderungskatalog ebenso auf wie die Schaffung einer unabhängigen bedarfsorientierten Forschung und die Förderung des Ökolandbaus. Da man schon im Harn von Kindern Pestizidspuren festgestellt hat, taucht der Slogan „Die Biene ist die Zukunft unserer Kinder“ auf. Auf jeden Fall will man jetzt offensiv werden, weil, so ein erregter Imker: „Derzeit komme ich mir wie im Kampf gegen die Windmühlen vor. Wenn wir nicht in die Initiative gehen, werden wir nichts reißen.“

Beobachtungen eines Imkers - In einer gesunden Umwelt wird es gesunde Bienen geben

Für mich sind die Ursachen für das Bienensterben, es sollte eigentlich Bienenvolkssterben heißen, klar. Nach Schädlingen und Krankheiten zu suchen führt zu den Symptomen des Bienenvolkssterbens und nicht zu den Ursachen. Diese müssen in der Umwelt, in der unsere Bienen leben, gesucht werden. Als Prämisse muss gesagt werden, dass in unserem Gebiet in der konventionellen Landwirtschaft bei fast allen Kulturpflanzen Neonicotinoide (Beizmittel) angewandt werden. Wir wissen, dass dieses systemisch wirkende Insektizid auch den Pollen und den Nektar vergiftet. Wenn wir ein Bienenjahr verfolgen und mit dem Sommer beginnen, sind unsere Bienen auf Maispollen angewiesen (in fast allen Bienenbrotproben der mir bekannten Imker, die Bienenbrotproben untersuchen ließen, wurden Neonicotinoid- Rückstände festgestellt).

Über 100 heimische Vogelarten gefährdet

Der Vogelschutz in Deutschland verzeichnet weitere Rückschläge. „Wenn heute fast jede achte heimische Vogelart aus Deutschland zu verschwinden droht, dann ist das auch ein Versagen der Naturschutzpolitik in Brüssel, in Berlin und draußen im Land“, stellte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz fest. Am meisten Sorgen bereiten die Vögel der Agrarlandschaft und hier besonders solche, die das Grünland besiedeln. Als Beispiele nannte er den Großen Brachvogel Numenius arquata, den Kiebitz Vanellus vanellus, das Braunkehlchen Saxicola rubetra und den Wiesenpieper Anthus pratensis. „Die Rote Liste zeigt, dass es noch nicht gelungen ist, dringend notwendige Erfordernisse des Artenschutzes in Agrar- und Umweltprogramme zu integrieren“, so Opitz.

Alarmierender Rückgang von Fauna und Flora in Europa

Eine Untersuchung eines erheblichen Teils der in Europa heimischen Fauna und Flora im Rahmen der Europäischen Rote Liste, die Teil der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN)™ ist, hat ergeben, dass ein großer Anteil Weichtiere, Süßwasserfische und Gefäßpflanzen jetzt als gefährdet einzustufen ist. Die Untersuchung von etwa 6000 Arten zeigt, dass 44 % aller Süßwasserweichtiere, 37 % der Süßwasserfische, 23 % der Amphibien, 20 % einer Auswahl von terrestrischen Weichtieren, 19 % der Reptilien, 15 % der Säugetiere und Libellen, 13 % der Vögel, 11 % einer Auswahl von xylobionten Käfern, 9 % der Schmetterlinge und 467 Arten von Gefäßpflanzen vom Aussterben bedroht sind.

Dramatischer Wasservogelrückgang in Oberschwaben - Bestandseinbruch um 70 Prozent in 40 Jahren – viele Arten so gut wie ausgestorben

Einen „dramatischen Rückgang der Wasservögel“ haben Ornithologen in einer über 40 Jahre dauernden, großflächigen Untersuchung von rund 310 Seen und Weihern in Oberschwaben festgestellt. In einer Anfang des Jahres publizierten Übersicht – „Ökologie der Vögel“, Band 32/2, 2010 – stellen die Autoren Rudolf Ortlieb, Brigitte Schaudt und Roland Prinzinger die Bestandsentwicklung von knapp 30 Wasservogelarten von 1967 bis 2008 vor. „In diesen 40 Jahren ist der Gesamtbestand aller untersuchten Arten um mehr als 70 Prozent zurückgegangen. Das ist ein dramatischer Einbruch“, sagt Prof. Dr. Roland Prinzinger. Auch beim NABU sorgen diese Ergebnisse für Aufsehen, zumal viele NABU-Aktive bei der Untersuchung mitgewirkt haben. „Wie die Untersuchung zeigt, sind einige Vogelarten in den vergangenen 40 Jahren so gut wie ausgestorben, etwa die Rohrdommel Botaurus stellaris, die Zwergdommel Ixobrychus minutus, der Drosselrohrsänger Acrocephalus arundinaceus und die Knäkente Anas querquedula“, berichtet Harald Jacoby, Vogelkundler beim NABU. „Die Ergebnisse sind für mich umso erschreckender, als ich weiß, mit wie viel Sorgfalt und Aufwand die Daten über Jahrzehnte gesammelt wurden. An den Zahlen gilt es nichts zu rütteln. Das ist die traurige Realität.“ Selbst früher häufige Arten sind in ihrem Bestand extrem zurückgegangen: das Teichhuhn Gallinula chloropus etwa von rund 200 auf 60 Paare, die Wasserralle Rallus aquaticus von rund 330 auf 30 Paare.

Fachbuch »Das Ende der Artenvielfalt – Neuartige Pestizide töten Insekten und Vögel« von Henk Tennekes

2010 veröffentlichte der holländische Toxikologe Henk Tennekes ein international beachtetes Fachbuch mit dem Titel »Disaster in the Making«. Er beschreibt das extreme Artensterben bei Insekten und Vögeln der Agrarlandschaft – in England genauso wie in Holland oder Deutschland. Rebhühner, Kiebitze, Haubenlerchen und Braunkehlchen und selbst die früher so häufige Feldlerche werden immer seltener. Tennekes belegt das Artensterben mit vielen wissenschaftlichen Publikationen, die er in seinem Buch vorstellt. Die Ursache sieht der Toxikologe in einer Gruppe neuer Pestizide, der Neonikotinoide. Diese fordert er sofort zu verbieten. Noch vor Weihnachten 2011 kam die limitierte deutsche Ausgabe mit dem Titel »Das Ende der Artenvielfalt – Neuartige Pestizide töten Insekten und Vögel« auf den Markt.

Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft zerstört die Nahrungsgrundlage der Schwalben

Die Mehlschwalbe (Delichon urbica) gehört zur Familie der Schwalben (Hirundinidae), zu der auch die Rauchschwalben Hirundo rustica, Uferschwalben Riparia riparia und Felsenschwalben Ptyonoprogne rupestris zählen. Mehlschwalben erbeuten Insekten ausschließlich im Flug. Sie ernähren sich hauptsächlich von Mücken, Blattläusen, Fliegen, Käfern und kleinen Schmetterlingen und gehören zu den größten Feinden von Stechmücken und anderen Plagegeistern. Während einer Brut verzehrt eine Schwalben-familie mehr als 1 Kilo Insekten - das sind, bei einem Durchschnittsgewicht einer Fliege von 4 mg, etwa 250 000 Insekten. Ihr Lebensraum wird bedroht durch die zunehmende Flächenversiegelung, durch den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft und nicht zuletzt durch die moderne Bauweise der Häuser und die mutwillige Zerstörung von Nistplätzen durch den Menschen.

Feldvögel-Population in Europa halbiert - Grund sind Pestizide und intensivierte Landwirtschaft

Auf Europas Feldern leben immer weniger Vögel. Grund sind Pestizide und intensivierte Landwirtschaft. "Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) hat es verpasst, den Rückgang der Population aufzuhalten, die sich seit 1980 halbiert hat", erklärt die Naturschutzorganisation BirdLife International. Die Aktivisten stützen sich auf Daten aus dem neuen Pan-European Common Bird Monitoring. Demnach gehen die Bestände bei 20 von 36 Vogelarten auf landwirtschaftlichen Flächen zurück. Am stärksten bedroht seien Rebhuhn Perdix perdix (von 1980 bis 2009 minus 82 Prozent), Grauammer Miliaria calandra (minus 66 Prozent) und Feldlerche Alauda arvensis (minus 46 Prozent). Markus Nipkow, Vogelexperte des Naturschutzbunds (Nabu), ergänzte, die GAP stütze die gängige Praxis der Bauern, die ökologische Gesichtspunkte weitgehend ausklammere. "Für Vögel herrscht Futternotstand auf den Feldern."

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