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Gifte in Schrebergärten und auf Feldern bedrohen Bienenvölker

In der Schweiz werden gemäss Angaben des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) jährlich rund vier Tonnen Neonicotinoide auf Mais, Raps, Zuckerrüben, Gemüse, Kartoffeln, Obst und Zierpflanzen ausgebracht. Nicht nur die gängige Landwirtschaftspraxis ist schuld an der unterschwelligen Vergiftung unserer bestäubenden Insekten. Auch Privatpersonen greifen für ihren Schrebergarten oder ihre Balkonoase gerne auf Neonicotinoide zurück. Ihre systemische Wirkung ist äusserst praktisch, denn sie müssen nur in den Blumentopf gegossen werden, und schon sind die Blattläuse, die Weissen Fliegen oder die Spinnmilben Geschichte. Nur sind leider auch hier die Bienen die Leidtragenden.

Schon geringe Mengen von Insektiziden können Bienen töten

Im Frühjahr 2008 gingen im Raum Freiburg Tausende Bienenvölker zugrunde, weil das Neonicotinoid Clothianidin bei der Aussaat auf Blütenpflanzen gelangt war - in für Bienen tödlicher Dosis. Jetzt häufen sich Studien, die berichten, dass bereits Kleinstmengen dieser Pestizide den Insekten schaden können.

Bienensterben: Einfluss der Bayer AG auf Politik und Wissenschaft in den Niederlanden

Henk Bleker (Niederländischer Staatssekretär für Landwirtschaft) hat es nicht einfach. In der vergangenen Woche, während einer hitzigen parlamentarischen Debatte über die Gründe für das weltweite massenhafte Bienensterben, dachte er, dass er eine endgültige Zusicherung gegeben hatte, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gäbe bezüglich der Pestizid Problematik. Wissenschaftler, Umweltschützer, Politiker und Imker gehen sich gegenseitig an den Hals über die Frage, ob systemische Pestizide, so genannte Neonicotinoide, die Ursache für die Verluste von Bienenvölkern darstellen. Die Tatsache, dass in Europa und Nordamerika Millionen von Bienenvölkern starben, beunruhigt den niederländischen Landwirtschaftssekretär. Denn ohne Bienen gibt es keine Bestäubung für Karotten, Tomaten und Blumenkohl. Bleker beauftragte ein Team von Wissenschaftlern, dieses Problem zu untersuchen. Letzten Mittwoch konnte er das Parlament beruhigen: Seine wissenschaftlichen Berater führten eine Literaturrecherche durch und fanden: „dass es keinen Beweis für eine Verbindung zwischen dem Bienensterben und Neonicotinoiden gäbe.“ Somit gab es keinen Grund, den Einsatz dieser Pestizide zu stoppen. Bleker war glücklich, die Landwirte waren glücklich, und die Hersteller der Pestizide waren glücklich. Aber die Tinte seines Berichts war kaum getrocknet, als das führende Wissenschaftsmagazin „Science“ zwei neue Studien veröffentlichte, die bestätigen, dass Neonicotinoide in der Tat ernste Schäden bei Bienen hervorrufen. In der französischen Studie wurden Honigbienen mit Chip-Sendern ausgestattet und anschließend realistischen Feld-Dosen des von der Firma Syngenta entwickelten Pestizids „Cruiser“ (mit dem Wirkstoff Thiametoxam) ausgesetzt. Die Bienen, die das Neurotoxin aufnahmen, hatten größere Schwierigkeiten ihren Stock wieder zu finden und gingen auf dem Weg eher verloren (als die Bienen der unbehandelten Kontrollgruppe).
In der anderen Studie der Stirling University in Schottland wurden Hummeln sehr niedrigen Konzentrationen des Neonicotinoids Imidacloprid der Firma Bayer ausgesetzt. Die exponierten Kolonien erlitten einen 85%igen Rückgang in der Anzahl ihrer produzierten Königinnen. Dieser Verlust neuer Königinnen würde im folgenden Jahr entsprechend zu 85% weniger neuer Hummelkolonien führen.
Kamen die Offenbarungen von „Science“ aus heiterem Himmel, oder hätten Blekers Pestizid-Berater besser informiert sein müssen? Wer sind denn diese Experten, auf die sich der (niederländische) Staat offensichtlich verlässt?

Unerwarteter Weltuntergang - Ohne Insekten würde die Welt ins Chaos stürzen

Und wenn es plötzlich keine Insekten mehr gäbe? Die Entomologen stellen sich die Frage immer wieder, und wenn auch die Prognosen variieren, so herrscht in einem Punkt Einigkeit: Das menschliche Leben, wie wir es kennen, würde wahrscheinlich enden. Der namhafte Entomologe Edward O. Wilson, ausgezeichnet mit zwei Pulitzerpreisen und der National Medal of Science, gibt den Menschen nach dem hypothetischen Aussterben aller Wirbellosen (von denen Insekten die Mehrzahl stellen) noch zehn Jahre. Der Science-fiction-Autor Charles Pellegrino dagegen, der in seinem Roman «Dust» die katastrophalen Folgen eines globalen, programmierten Aussterbens aller Insekten beschreibt, lässt es weniger als sechs Monate dauern, bis die Menschheit auf eine Hand voll bedauernswerte, in alle Welt zerstreute Überlebende geschrumpft ist.

Bienensterben im Maisfeld - Pestizid Clothianidin darf wieder angewendet werden

Bienenzüchter und Naturfreunde schlagen Alarm. Für eine begrenzte Zeit darf auf deutschen Äckern wieder das berüchtigte Bienengift Clothianidin ausgebracht werden. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat von Mitte März bis Mitte Juli eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Das Gift soll den Drahtwurm beseitigen, der Mais schädigt.

Ein BVL-Sprecher bestätigt das "hohe Giftpotential" des Wirkstoffes. Aber man habe sorgfältig abgewogen zwischen Nutzen und Schaden. Schließlich sei nur ein halbes Prozent der gesamten Mais-Anbaufläche betroffen. Die Ausnahmen gelten für Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Schleswig-Holstein, und es gelten eine Reihe von Auflagen. Jeder Landwirt muss einen Berechtigungsschein erwerben und einen starken Befall durch Drahtwürmer nachweisen. Das Granulat muss in den Boden eingebracht werden. Sämtliche Imker im Umkreis von 60 Metern werden gewarnt, sie sollen ihre Bienenvölker beobachten.

Harvard-Biologen sehen Zusammenhang zwischen Bayer-Gift und Bienensterben

Imidacloprid, eines der gängigsten Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Hauptgrund für den seit 2006 weltweit zu beobachtenden Rückgang der Bienenvölker. Das hat ein Team von Biologen um Professor Alex Lu an der Harvard School of Public Health (HSPH) herausgefunden, wie das Portal “sciencedaily.com” berichtet. In ihrer neuesten Studie, die in der Juniausgabe des Fachjournals “Bulletin of Insectology” erschienen ist (Beilage), fanden sie nach eigenen Angaben überzeugende Beweise für einen Zusammenhang zwischen dem Kontaktgift und dem Phänomen des Völkersterbens unter Bienen, auch bekannt als “Colony Collapse Disorder” (CCD).

Wie wir mit Nikotin unsere Insekten auslöschen

Unsere Wissenschaft hat ein künstlich hergestellten Agrargift-Wirkstoffes namens Neo(nikotin)oid entwickelt und Ackerbauern setzen es erfolgreich ein. Die Pflanze nimmt den Wirkstoff bei Behandlung in sich auf und verteilt es in alle Blätter. Die Insekten sterben dann bei Kontakt oder Fressen an der Pflanze. Das geniale an diesem Wirkstoff ist seine Nikotin-artigkeit. Und Nikotin ist ein hochwirksames Nervengift. In der Landwirtschaft werden Insekten mit dem getötet, was ein Teil der Menschheit freiwillig und gut bezahlt raucht. Arg. Leider wirkt es zu erfolgreich. Unsere Honigbienen kämpfen wegen einen Parasit namens Varoa-Milbe mehr oder weniger um das eigene Überleben. Und dieses Nerven-Agrargift welche Ackerbauern einsetzen= Mais beizen, fördert zusätzlich den Untergang der westlichen Honigbiene.

Pestizide schaden Bienen und Hummeln

Pestizide können nach neuen Studien eine der Ursachen für das dramatische Bienen- und Hummelsterben sein. Das bekräftigen zwei Untersuchungen im Fachjournal „Science“ (Beilage). Die beiden Experten-Teams erforschten die Wirkung von Neonicotinoiden. Diese Gruppe gängiger Insektizide ist in zahlreichen Ländern im Einsatz. Wissenschaftler aus Frankreich entdeckten, dass das Gift die Orientierung der Bienen stört: Die Tiere finden den Weg zu ihrem Volk nicht mehr. Ein Team aus Großbritannien entdeckte, dass Hummelvölker nach der Behandlung mit den Insektiziden stark ausgemerzt waren. „Einige Hummelarten sind enorm zurückgegangen. Beispielsweise in Nordamerika sind manche Arten mehr oder weniger komplett vom Kontinent verschwunden“, schreibt der britische Forscher Dave Goulson von der schottischen Universität in Stirling.

Von Mitte März bis Mitte Juli dürfen Landwirte wieder das Insektizid Clothianidin einsetzen

Von Mitte März bis Mitte Juli dürfen Landwirte wieder das Insektizid Clothianidin einsetzen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat eine befristete Zulassung für sechs Bundesländer erteilt. Der Wirkstoff ist umstritten: Das Julius-Kühn-Institut, das dem Agrarministerium untersteht, wies nach dem Tod von Millionen Bienen im Jahr 2008 Clothianidin in den toten Bienen nach. Ursache des Sterbens sei eine Vergiftung durch Abrieb des Pflanzenschutzmittels gewesen, so das Institut damals. Die nun erteilte Genehmigung ist eine sogenannte Zulassung für Notfallsituationen. Die Behörde kann sie maximal für 120 Tage erteilen, wenn eine „Gefahr nicht anders abzuwenden“ ist. In diesem Fall geht es um den Drahtwurm im Mais. Die Anwendung ist laut BVL auf Flächen beschränkt, die von Starkbefall bedroht sind. Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits acht solcher Zulassungen erteilt, im vergangenen Jahr waren es 35. Auch damals war Clothianidin dabei, genauso wie im Jahr davor. Diese wiederholte Notfallzulassung kritisiert das Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN). „Unter dem Deckmantel der Notfallsituation werden Jahr für Jahr Ausnahmen für verbotene Pestizide genehmigt. Hier wird den ökonomischen Interessen Einzelner Vorrang vor Umwelt- und Naturschutz eingeräumt“, sagt Geschäftsführerin Carina Weber.

Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung am 27. April 2012 eingereicht / Proteste von Imkern / 1,2 Mio Unterschriften gesammelt

Wegen der anhaltenden Vermarktung von Clothianidin hat die Coordination gegen BAYER-Gefahren einen Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung am 27. April 2012 in Köln eingereicht. Nach Auffassung der CBG gefährdet das BAYER-Management durch den fortgesetzten Verkauf hochgefährlicher Pestizide wissentlich den Bestand von Bienen, Wildinsekten und Vögeln. Mehrere große Studien hatten in den vergangenen Monaten die Risiken der Wirkstoffe bestätigt. Im vergangenen Jahr war eine Untersuchung der UN-Umweltbehörde zu dem Schluss gekommen, dass bestäubende Insekten, z.B. Bienen, durch Clothianidin und Imidacloprid chronisch vergiftet werden können. Umweltschützer hatten 1,2 Millionen Unterschriften für ein sofortiges Verbot der Wirkstoffe gesammelt.

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